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Literatur, Kulturwissenschaft, deutsch-französische Beziehungen
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"Quand Google
défie l'Europe"
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"Plaidoyer pour
un sursaut" lautet der Untertitel des Buches "Quand Google
défie l'Europe", mit dem der Direktor der
Bibliothèque
Nationale, Jean-Noël Jeanneney,
in Paris vor den Folgen von Google Print für die europäische Kultur
warnt. Am 14. Dezember 2004 wurde bekannt, daß Google Auszüge
aus mehreren amerikanischen Bibliotheken rund 15 Millionen Bücher zum
Durchsuchen online zur Verfügung stellen will.
Links, die
J.-N. Jeanneney in seinem Buch nennt.
13. Agust 2005: Google
suspend son grand projet de bibliothèque en ligne Reuters AP
Rezensionen zum Buch von J.-N.
Jeanneney
Bloogle
Die
Google-Bedrohung Rundfunk Berlin-Brandenburg
Demokratisierung
des Weltwissens oder Diktatur eines angloamerikanischen Kanons?
Vortrag von Jean-Noël Jeanneney am 7. März
2006 in der Französischen Botschaft in Berlin
Ein
anderes Beispiel: Sucht man in Google-Print nach
"Kohl
und Mitterand" wird an erster Stelle der Band Unequal Partners:
French-German Relations, 1989-2000 von Julius Weis Friend (Westport
2001) angezeigt und die Hinweise ("More results from this book")
auf 33 Belege in diesem Buch, die beide Namen enthalten. (Suchergebnis vom
25. Juni 2005)
Die Suche nach
"Deutschland"
wird mit dem Hinweis auf den von Michael G Huelshoff, Simon Reich, Andrei
S Markovits herausgegebenen Band From Bundesrepublik to Deutschland:
German Politics After Unification (University of Michigan Press 1993)
beantwortet, und an dritter Stelle steht das Buch von Norbert Bachleitner
Der englische und französische Sozialroman des 19: Jahrhunderts
und seine Rezeption in Deutschland (Amsterdam 1993). (Suchergebnis vom
25. Juni 2005)
Jean
Noël Jeanneney, Quand Google défie l'Europe. Plaidoyer pour
un sursaut, Editions Mille et une nuits, Paris 2005.
Dt. Jean-Noël Jeanneney, Googles Herausforderung. Für eine
europäische Bibliothek, Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger
und Sonja Fink.
Wagenbach
Verlag, Berlin 2006. ISBN 3-8031-2534-0
Wir rezensieren die
frz. Ausgabe:
Am 14. Dezember 2004 kündigten die Betreiber der Suchmaschine Google
aus Mountain View in Kalifornien ihre Absicht an, innerhalb von zehn Jahren
rund 15 Millionen Bücher zu digitalisieren und mittels ihrer Suchmaschine
zum Durchsuchen zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile ist Google Print
print.google.com
weltweit erreichbar. Das Projekt stößt auf das Wohlgefallen der
Surfer, die das kostenlose Prinzip im Internet gestärkt sehen. Der
Direktor der französischen Nationalbibliothek, Jean Noël Jeanneney,
ist keineswegs amüsiert, sondern alarmiert. In LE MONDE nannte er am
22. Januar 2005 das Vorhaben von Google eine Herausforderung für Europa.
Mittlerweile ist Jeanneney vom Staatspräsidenten, Jacques Chirac, empfangen wurde, der ihn mit der Erarbeitung einer Strategie beauftragte. Die Streitschrift, die Jeanneney vorgelegt enthält eine deutliche Warnung vor der digitalen Macht von Google, mit der sich die europäischen Staaten beschäftigen müssen. Jeanneney gibt zwar eine gewisse Bewunderung gegenüber den Begründern von Google zu, will aber der Passivität, mit der vor allem in Europa ihrer Herausforderung begegnet wird, nicht hinnehmen. Die Aufgaben der Bibliothekare und Buchhändler werden mit der zunehmenden Digitalisierung in dem Maße nur noch größer, wie die technische Entwicklung den Unterschied von bloßer Information und überprüften Wissen ständig weiter vergrößert. Jeanneney stellt prinzipielle Fragen. Kann dieses System des Suchens, so wie Google Print es präsentiert, den Ansprüchen, die die Kultur fordert, überhaupt gerecht werden?
Das Übergewicht der USA und der anglophonen Welt werden die französische und auch die europäische Geschichte und Literatur zurückdrängen. Jeanneney nimmt zwar zur Kenntnis, daß Google-Print auch nicht anglophone Werke aufnehmen will, aber die Suche nach dem Stichwort French Revolution führt natürlich schon, ohne daß man einseitige Interessen unterstellen muß, per se nur zu anglophonen Werken. Jeanneney ist fest überzeugt, daß angesichts der sich abzeichnenden technischen Herausforderungen der Staat gefordert sein wird, seine Verantwortung zu übernehmen.
Jeanneney widmet der Verifikation der Inhalte, die bei Google naturgemäß keine Rolle spielen kann, seine besondere Aufmerksamkeit. Bibliographien sind ein Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit, und hier zielt Jeanneney auf die Methode, wie Google-Print seine Ergebnislisten präsentiert. Über kurz oder lang könnte Google-Print die Inhalte und damit die Qualität vieler Bibliographien mitbestimmen, da deren Umfang den Suchenden zumindest im anglophonen Bereich eine Vollständigkeit suggeriert, die man augenscheinlich nur mit Mühe vervollständigen kann. Noch bedenklicher wird es, wenn (nicht nur) Studenten sich in ihren Arbeiten auf das Durchsuchen von Google-Print mittels einschlägiger Stichworte beschränken, um eben noch ihre Seminararbeit mit einigen mehr oder weniger treffenden Zitate abzurunden.
Man muß jetzt und nicht morgen in die Digitalisierung der Kultur investieren, so lautet Jeanneneys Forderung. Und er beschreibt zwei Schwachpunkte von Google. Zum einen ist es die Ausschließlichkeit, mit der Google, ein Produkt, nämlich Suchergebnisse vermarktet, das dem Unternehmen als Einseitigkeit und möglicherweise auch eine Schwäche ausgelegt werden kann, und zum anderen ist die Gesetzgebung gegen die Monopole in den USA, aus der Google Probleme entstehen könnten.
Jeanneneys Aufruf zeigte
schnell Wirkung. In einer Botschaft haben sich Frankreich, Polen, Italien,
Spanien, Ungarn und Deutschland am 28. April 2005 an den Präsidenten
den europäischen Rates Jean-Claude Juncker und an den Präsidenten
der Europäischen Kommission, José Manuel Durao Barroso, gewandt.
19 National- und Universitäts-Bibliotheken in Europa haben den Appell
der französischen Nationalbibliothek unterzeichnet, um eine drohende
geistige und kulturelle Vorherrschaft der USA zu verhindern.
In seiner Antwortenliste auf häufig gestellte Fragen wendet sich Google
auch an Verlage und schlägt ihnen die Teilnahme am Google-Print Programm
vor. Verlage können ihre Bücher einsenden. Die Bücher werden
dann kostenlos eingescannt und in die Suchmaschine eingegliedert. Die damit
verbundenen Urheberrechtsprobleme scheinen von Jeanneney nicht oder kaum
bedacht worden zu sein. Der von ihm mit angestoßenen Aktivitäten
der Regierungen und Bibliotheken kann eigentlich nicht im Interesse der
Verlage sein, von denen nicht jeder ohne weiteres bereit sein dürfte,
die Inhalte seiner Bücher auch nur auszugsweise in der von Google konzipierten
Weise offenzulegen.
In einer Stellungnahme der
Bundesregierung vom 3. Mai 2005 heißt es: "Ein digitalisiertes
Kulturerbe in europäischen und internationalen Zusammenhängen
wird dazu beitragen, die kulturelle Vielfalt, Forschung und Wissenschaft
Europas auch bei Internetsuchen sichtbar zu machen" und verweist auf
die europäischen Initiative "The European Library", die dazubeitragen
soll, den Zugang zu den digitalisierten Werke der Mitgliedsländer zu
verbessern. Tatsächlich existiert dieses Projekt (
TEL - The
European Library) schon, und es kommt jetzt auf den Kooperationswillen
der beteiligten Staaten an, dieses Projekt weiterauszubauen.
Europa wird nicht allein
durch elektronischen Datenbanken gegenüber den USA konkurrenzfähig.
Die europäischen Staaten müßten den Kulturaustausch und
die Stärkung er europäischen Forschung mit dem gleichen Elan wie
bei der Erstellung von computergestützen Rechercheinstrumenten zur
Chefsache machen, denn dieser europäischen Vielfalt kann Google nichts
entgegensetzen, wird sie aber zur Kenntnis nehmen müssen.
Heiner Wittmann

Ein Aufsatz zu diesem Thema wird in
DOKUMENTE,
Zeitschrift für den deutsch-französischen Dialog im August 2005 erscheinen.
Das Erscheinen des Hefts 5/05 wird auf der Seite
Romanistik
im Internet angezeigt werden.
Links,
die J.-N. Jeanneney in seinem Buch nennt, und zu diesem Thema mit einigen
Ergänzungen
Rezensionen
Hier erscheinen
Rezensionen
zu Neuerscheinungen aus dem Bereich der Romanistik und den deutsch-französischen
Beziehungen.
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