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Zu Laurent Dispot, Auschwitz, c'est loin? De Kantorowicz aux Bienveillantes,
in: La règle du jeu, mai 2008.

Version française     


Kombinationslust kann kreativ sein, politisch, wissenschaftlich, künstlerisch, journalistisch bietet sie Chancen. Doch Chancen haben Tücken. Das weiß gewiss auch Laurent Dispot, Autor des Artikels: Auschwitz, c'est loin? De Kantorowicz aux Bienveillantes, in der Zeitschrift La règle du jeu, Nr. 37, 18. Jg. Mai 2008, S. 203-244. Herausgeber: Bernard Henri Lévy.
Dispot schlägt einen weiten Bogen vom 11. September 2001 über die Reichskristallnacht 1938 zur Machtergreifung am 30. Januar 1933. Der Titel indiziert die Thematik von Auschwitz über Ernst Kantorowicz zu Jonathan Littells Bestseller Les Bienveillantes und seinem SS-Protagonisten Dr. Max Aue. Das Schlusskapitel (218-223) gilt der Assoziierung: Heinrich Harrer - Alfred Toepfer. Ob man dieser elastischen Kombinationslust folgen möchte, sei dahingestellt. Nicht zu folgen ist dem arbiträren Umgang mit Fakten sowie der Unterschlagung des Versuchs der Alfred-Toepfer-Stiftung, durch die Einrichtung einer Kommission angesehener Historiker, die der Parteinahme unverdächtig sind, Leben und Werk des Stifters, besonders in den Jahren ab 1933 aufgrund bisher vorliegenden Quellenmaterials, darzulegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Diese Arbeit liegt seit dem Jahre 2000 in Buchform vor: Alfred Toepfer. Stifter und Kaufmann. Bausteine einer Biographie - Kritische Bestandsaufnahme, Hgg. G. Kreis, G. Krumeich, H, Ménudier, H. Mommsen et A. Sywottek, Christians Verlag, Hamburg 2000, 488 S. Kein Wort davon bei Dispot. Unkenntnis oder Absicht? Wenn letzteres, wozu? Der Seriosität ist dieses Manko so abträglich wie dem Investigationswert des Artikels, der Bekanntes als Entdeckung ausgibt. Wird die Aufarbeitung der Stiftungs- und Stiftergeschichte verschwiegen, die sich in die Reihe der historischen Aufklärung anderer deutschen Firmen- und Unternehmergeschichten der letzten Jahre und Jahrzehnte fügt, befremdet progressiv der Umgang mit Fakten. So auch im Falle Ariane Mnouchkines, welche die ihr zugedachte Auszeichnung durch die Stiftung mit Dank begrüßte; ihre Primärreaktion war keineswegs eine klare Absage. Elle a refusé tout net, so Dispot, ist unzutreffend. Bedauerlich sind diese Defizite auch deshalb, weil die Neuorientierung der Stiftung, nicht zuletzt durch die umsichtige wie konzentrierte Arbeit des Vorstandes und der involvierten Gremien, so ignoriert wird, wie Preisträger und Stipendiaten der jüngeren und der jungen Generation aus Wissenschaft, Kunst, Kultur diskreditiert werden. Das zumindest sollte Dispot bedenken und vermeiden. Zur Freiheit und zu den Chancen eines Autors gehören Empathie, Furor und jene Kombinationslust, die eben ihre Tücken hat; zu diesen gehören die Tatsachen. Der Umgang mit Fakten steht nicht zur willkürlichen Disposition. Doch ist das ein Fall für die Redaktion von La règle du jeu. In die Zuständigkeit des Herausgebers Bernard-Henry Lévy fällt der Umgang mit der Tatsache, dass Mitglieder des Herausgeberkomitees von La régle du jeu Preisträger der Stiftung sind: Andrei Bitov, Sankt Petersburg, György Konrád, Budapest.

Dirk Hoeges, Heiner Wittmann

P. S. Neuere Forschungen führen zu einer mehr als kritischen Position zu Alfred Toepfer.


Alle Rechte vorbehalten. © 2008.


Links:

Alfred Toepfer Stiftung F.V.S

La règle du jeu nº37 erscheint bei Éditions Grasset


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