Rezension: Susanne Greilich, Hans-Jürgen Lüsebrink (Eds.) Traduire l’encyclopédisme Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)

| The 31st Annual Meeting of the North American Sartre Society will take place October 23–24, 2026, as a “Virtual Zoom Conference” | 31st Annual Meeting of the North American Sartre Society | Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire | Künstliche Intelligenz |


2024 haben Susanne Greilich und Hans-Jürgen Lüsebrink die Ergebnisse einer Tagung, die in virtueller Form von der Universität Regensburg organisiert wurde, unter dem Titel Traduire l’encyclopédisme herausgegeben. Der Untertitel nennt den Umfang der hier vorgelegten Studien: „Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionnaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)“. Der Band ist in der Reihe der „Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft“ erschienen.

Der Katalog der Übersetzungen und ihre Analysen decken anhand vieler Beispiele „kulturelle Interdependenzen“ (S. 10) auf. So wird deutlich, dass Artikel der Encyclopédie von Diderot (vgl.   H. W. : Nachgefragt: Denis Diderot parle de l’Encyclopédie – www.france-blog.info, 15. November 2017 und H. W.,  Nachgefragt: Laurent Loty spricht über Denis Diderot – www.france-blog.info, 24. November 2013) und d’Alembert zu einem großen Teil auf das jesuitisch geprägten Dictionnaire de Trévoux zurückgehen. Tatsächlich ist die Übersetzung für die etwa 74000 Artikel eine wichtige Quelle und wurde dies wurde auch in ihren Artikeln „Traduction“ oder „Traducteur“ thematisiert. Überhaupt sorgten die Übersetzungen der Enzyklopädien für einen bemerkenswerten Wissenstransfer zwischen den Ländern. Clorinda Donato hat dafür im Titel ihres Beitrags mit „L’empowerment littéraire et linguistiqu de la nation dans les traductions espagnole et italienne du Dictionnaire de Grammaire et Littératur de l‘Enyclopédie méthodique“ eine interessante Bezeichnung gefunden. Und obendrein wird in mehreren Beiträgen gezeigt, dass die Übersetzung oft auch nur eine Vorbereitung für die Regionalisierung der Enzyklopädien war. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit gilt der Rezeption der Encyclopédie in Russland, die Anguelina Vatcheva untersucht hat: „Le recueil Traductions de l’Enyclopédie, (1767) dans le cadre de la politique de Catherine II de Russie“. Die Auswahl der übersetzten Artikel erlaubt Aufschlüsse über die Rezeption des Lexikons in Russland.

Einen weiteren Aspekt beleuchtet Hanco Jürgens: „European encyclopaedias as a part of changing carousel: entries on India“. Hier wird anhand verschiedenen Enzyklopädien (Heinrich Zedler’s Universal Lexikon und der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert) auf spannende Weise Kulturrezeption unter verschiedenen Vorzeichen untersucht werden.

Mélanie Éphrème resümiert mit dem Titel ihres Beitrags sehr geschickt die Bedeutung der Enyclopédie für ein Naturwissenschaft: „Une science venue d’ailleurs: traduire la chimie pour l‘Encyclopédie„. Eigentlich ist das hier schon philologische Feinmechanik, mit der auch der Einfluss vieler Lexika (vgl. die Tabellen S. 114-116, S. 121-123) auf die Bewertung und Weiterentwicklung der Chemie untersucht werden kann. Malou Haine hat einen Korpus von über 500 Artikeln in der Encyclopédie zur Musik untersucht. Sie kann mit ihrer minutiösen Analyse bei Übersetzungen auch Textveränderungen nachweisen.

Die Tragweite des kulturellen Transfers geht über die bloße Übersetzungsarbeit weit hinaus. Dahinter wird ein transkultureller Wissenstransfer erkennbar, mit dem sich auch Strategien für nationale Selbstbestimmung herausbildeten. Den Autoren dieses Bandes gelingt es, mit vielen Belegen, die Mechanismen des kulturellen Transfers auf der Grundlage der Übersetzungen nachzuvollziehen und zu zeigen, wie auch in der Auseinandersetzung und Bewertung der Übersetzungsarbeit wissenschaftlicher Fortschritt entwickelt wird.

Pauline Pujo konzentriert sich auf den pädagogischen Bereich: „Encyclopédisme et traduction en contexte pédagogique au lycée de Joachimsthal à Berlin (1767-1799)“. Sie nennt sogar die Landesschule Porta (S. 151). Die Zusammenhänge zwischen Lexikon und Reform vermitteln bedeutsame Erkenntnisse über die Rezeption der Enzyklopädien.

Deutsch-französischer Kulturtransfer ist das Thema von Sylvie Le Moël: „Les sciences de l’Antiquité en abrégé entr France et Allemagne: enjeux transculturels de la traduction du Handbuch der klassischen Literatur de Johann Joachim Eschenburg par Carl Friedrich Cramer en l’an X de la République.“ Der folgende Aufsatz ist bei weitem keine bloße Spezialfrage, nimmt er doch ein Jahrhundert der Geschichte der Enzyklopädien unter einer zentralen Frage in den Blick: Carla Dalbeck erläutert „La genèse interculturelle de la ‚Nation. Transferts culturels d’un concept clé à l’exemple des dictionnaires encyclopédique 1750-1850“: Ihr Kapitel 4.1 „transferts intraculturels : le caractére national'“  und 3´4.2. ransferts interculturels : (contre-)modèles étrangers., 4.2.1 L’idéal de la Nation française“ verdienen besondere Aufmerksamkeit

Die beiden Herausgeber dieses Bandes berichten von den Untersuchungen, wie die Inhalte in den Enzyklopädien angeordnet werden, worauf sich in den letzten Jahren die Forschung konzentriert habe. Sie zeigen, wie Übersetzungen internationale Netzwerke schaffen. Vor allem spezialisierte Lexika erfuhren so mehr als nur indirekt einen Modernisierungsschub, vor allem auch weil es nicht bei Übersetzungen blieb, sondern „Verbesserungen“ eingefügt wurden. Man wird den berechtigten Eindruck gewinne, dass Lexika statt nur als Übersetzungsgrundlage zu diesen, auch Neubearbeitungen inspirierten.

Der Umgang des Korpus, den die Autoren dieses Bandes in den Blick nahmen, ist bemerkenswert: Über 70 Speziallexika von denen rund 200 Übersetzungen identifiziert wurden: > http://encyclopaedias.uni-regensburg.de Diese Datenbank kann nach > Autoren oder nach Titeln und Übersetzungen durchsucht werden. Die bibliographischen Einträge können in allen nur denkbaren Formaten exportiert werden. Hier wird der Forschung ein besonders wertvolles Gebiet eröffnet. Oft werden die direkten Links angegeben, unter denen der Band konsultiert werden kann.

Martine Groult systematisiert die Erkenntnisse dieser Tagung: „Traduire la connaissance de l‘Encyclopédie à  l‘Encyclopédie méthodique : le passage des articles aux traités.“ Sie untersucht, wie Charles Joseph Panckoucke die Encyclopédie vermarktete. Luigi Delia eränzt ihren Beitrag: „Les méatamorphoses de Jaucourt : les articles encyclopédiques du Chevalier pour le Code de l’humanité“ auf. Alain Cernuschi untersucht die Anteile von Jaucourt und De Felice: „L’encyclopédisme aux prises avec le mosaieu culturelle européenne de la seconde moitié du XVIIIe siècle : Jaucourt et de Felice à l’ouvrage.“ Jaucourt übersetzt weniger, sondern bereichert die Encyclopédie mit neuen Informationen. (vgl. S. 237)

Die Autoren dieses Bandes können auch belegen, dass italienische oder spanische Übersetzungen zu einem großen Teil auf französischen Ausgaben beruhen, während z. B. in den Niederlanden viel häufiger deutsche Lexika übersetzt wurden. Rückübersetzungen, Übersetzungskompilierungen, die also aus verschiedenen Lexika stammen, Synthetisierende Übersetzungen, also aus verschiedenen Lexika wurden ihre Inhalte zu einer Übersetzung zusammengefügt, bekommen in diesem Band eine besondere Aufmerksamkeit. Weitere Aufschlüsse verleihen Vorworte, Widmungen und Anmerkungen, mit den der Übersetzer zum Kommentator wird, was auch etwas mit der Regionalisierung, also der Anpassung der Texte an lokale Gegebenheiten zu tun hat. Die Herausgeber nennen dies „domestication nationale“ (S. 40) bei der die Übersetzer erfolgreich neue Rolle einnehmen. In gleicher Hinsicht ist es bemerkenswert, auf diese Weise ein „phénomène transgénérique“ (S. 41) bei der Entwicklung der Übersetzungen zu beobachten.

Insgesamt leistet dieser Band sehr erfolgreich einen Beitrag zur Erforschung der Lexika und ihrer internationalen Verbreitung im 18. Jahrhundert. Die Autoren gehrt der unbestreitbare verdienst, keineswegs nur Einzelfragen zu behandeln, sondern die Entwicklung in einem ganzen Jahrhundert im Blick zu haben und uns vorzustellen.

Susanne Greilich, Hans-Jürgen Lüsebrink (Hg.)
Traduire l’encyclopédisme
Appropriations transnationales et pratiques de traduction de dictionaires encyclopédiques au Siècle des Lumières (1680–1800)
Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft, Band: 95 Lumières (1680–1800)
Würzburg: Königshausen & Neumann 2024
ISBN: 978-3-8260-7915-3

31st Annual Meeting of the North American Sartre Society

| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire | Künstliche Intelligenz |


Unsere Redaktion nimmt an der folgenden Konferenz teil: laut dem vorläufigen Plan – Virtuelle Zoom-Konferenz am 2. Konferenztag, Samstag, 24. Oktober:

Heiner Wittmann – Rethinking Sartrean Studies in the Age of Artificial Intelligence
4:00-5:45pm Sessions G1 & G2
All of the conference times are Eastern Standard Time (EST) = GMT – 5 hours
Session G1: AI, Art, Literature, and Creativity
Moderator: N.N.

If you would like to attend but not be a presenter, you should register and choose „non presenting member of public“ (which is free).

The 31st conference of the North American Sartre Society will take place October 23–24, 2026, as a “Virtual Zoom Conference”:

Theme:  A.I., Virtual Worlds, and Digital Existentialism: > NASS 2026 Conference Schedule

  • How does artificial intelligence reshape our understanding of selfhood, agency, and responsibility?
  • What does “existence” mean when one’s social, emotional, and creative life is increasingly mediated by A.I. systems and platforms?
  • Do A.I.-generated personas and avatars challenge distinctions between authenticity and bad faith?
  • Can virtual worlds provide authentic forms of meaning, identity, and community, or are they structurally alienating?
  • How should we understand freedom and choice when algorithmic systems increasingly guide behaviors, desires, and commitments?
  • What ethical obligations do creators of A.I. and virtual worlds have toward users’ existential well-being and sense of meaning?

Keynote Speaker: Stefano Guelani

Title: Existential Immersion and Care in Virtual Worlds

Stefano Gualeni is a Full Professor at the Institute of Digital Games, University of Malta. His academic books include Virtual Worlds as Philosophical Tools (Palgrave, 2015), Virtual Existentialism (Palgrave Pivot, 2020, with Daniel Vella), and Fictional Games: A Philosophy of Worldbuilding and Imaginary Play (Bloomsbury, 2023, with Riccardo Fassone). Stefano’s games, essays and philosophical fictions can be found on his webpage at www.gua-le-ni.com

Stefano’s philosophical fictions include The Clouds: An Experiment in Theory-Fiction (Routledge, 2024), What We Owe the Dead (Set Margins‘, 2025), Scholar’s Codex (Tune and Fairweather, 2026), and Errata Corpora (Set Margins‘, forthcoming in 2027)

If youwould like to attend but not be a presenter, you should register and choose „non presenting member of public“ (which is free).

Rezension: Modernités connectées Les transferts littéraires et culturels Québec-Allemagne (XIXe – XXIe siècles)

french german 

Robert Dion, Louise-Hélène Filion, Hans-Jürgen Lüsebrink, Hg.
> Modernités connectées
Les transferts littéraires et culturels Québec-Allemagne (XIXe – XXIe siècles)
Papier ISBN 978-2-7606-5552-2
PDF ISBN 978-2-7606-5553-9
E-Pub< ISBN 978-2-7606-5554-6
Montréal, Québec, Presses Universitaire de Montréal 2026.

Rezension: René de Ceccatty, Pasolini et le Christ. Toi, scandale et passion

french german 

| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 | Call for papers : L’univers sonore de Rétif de La Bretonne 11.-13. März 2027 in Toulouse |


Maria A. Macciocchi war 1964 beim Treffen mit Pasolini und Jean-Paul Sartre in Paris mit dabei und hat in L’Unità am 22.12.1964 darüber berichtet: > Ho assistito al dialogo tra Pasolini e Sartre sul Vangelo – Website von Alfred Betschart

René de Ceccatty,
Pasolini et le Christ.
Toi, scandale et passion
Arles : Portaparole 2026
ISBN : 978-2-37864-104-7

L’Évangile selon Saint Matthieu, Pasolini, 1964. VF:

Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Ort: Friedrich-Schiller-Universität in Jena/Carl-Zeißstr. 3, SR 207
Leitung: apl. Prof. Dr. Jens Bonnemann

Für Jean-Paul Sartre ist der Mensch nichts als das, wozu er sich macht, denn die Existenz geht der Essenz voraus. Dies ist die Grundthese, die in sich wie ein roter Faden durch Sartres Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) zieht. An dessen Ende kündigt er ein Buch über Moral an. An dieser Moral arbeitet Sartre vor allem in den Jahren 1947/48, sie bleibt jedoch unvollendet. Die aus dieser Zeit stammenden Notizhefte im Umfang von ca. 1000 Seiten werden erst posthum 1983 unter dem Titel Cahiers pour une morale und 2005 in deutscher Übersetzung als Entwürfe für eine Moralphilosophie veröffentlicht.

Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Während im Mittelpunkt von Das Sein und das Nichts der Gedanke steht, dass der Mensch durch den Grundzug der Freiheit bestimmt ist, auch wenn er sich zumeist diese Freiheit zu verbergen versucht, wird spätestens in den Moralfragmenten deutlich, dass frei zu sein und ein freies Leben zu führen, keineswegs dasselbe ist. Das Sein und das Nichts macht zwar die Freiheit zum Thema, bleibt jedoch Orest aus dem Theaterstück Die Fliegen (1943) die Antwort auf dessen Frage schuldig: Was soll ich mit meiner Freiheit anfangen? Was bedeutet „authentische Lebensführung“? Die existentialistische Freiheitsontologie verlangt nach einer Moralphilosophie, deren Normen und Werte nicht unabhängig von der menschlichen Subjektivität gültig sind. Ohne ewige Werte müssen wir unsere eigenen Werte schaffen. Deren Grundlage können nicht Vernunft, Natur oder Tradition sein, sondern nur die Begegnung zweier oder mehrerer konkreter Freiheiten in ihren jeweiligen Situationen. Im Zuge dessen verleiht Sartre nun Themen wie Unterdrückung, Ausbeutung
Freiheit ein weitaus größeres Gewicht als noch zuvor in Das Sein und das Nichts. …

Die Veranstaltung, zu der es voraussichtlich einen zweiten Teil im März 2027 geben wird, richtet sich an alle Sartre-Interessierte (Studierende, Doktoranden, Habilitanden usw.). Vorkenntnisse sind sehr willkommen, jedoch nicht notwendig.

Zur Vorbereitung wird die Lektüre der folgenden Abschnitte empfohlen: Jean-Paul Sartre, Entwürfe für eine Moralphilosophie, übers. v. H. Schöneberg und V. v. Wroblewsky, Hamburg 2005, zum Recht, S. 246-263, zur Gewalt: S. 301-379, zur Pflicht: S. 441-480, zur Intersubjektivität: S. 481-517, 632-748, zur Unterdrückung: 517-571, 975-1000 und schließlich zur moralischen Konversion: S. 819-884.

Es wird um verbindliche Anmeldung zum Workshop bis 30. Juni 2026 an Jens Bonnemann, den Präsidenten der Sartre-Gesellschaft, jensbonnemann@gmx.de, gebeten.

Bitte weiterlesen: und Gewalt als Bedrohungen der Ankuendigung-Workshop-Cahiers-Sep *.pdf

Jorge Muñoz Navarro, La paradojas del verso y los ovillejos de logogramas

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| Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026 |


Heiner Wittmann

Jorge Muñoz Navarro,
> La paradojas del verso y los ovillejos de logogramas
Libro de artista, Chillán 2026
ISBN 978-956-03-0497-1

Hier ist das Buch erhältlich… El libro se puede comprar en la librería Ojo & tinta > Instagram

> https://www.isbnchile.cl/catalogo.php?mode=detalle&nt=185430

Fotos: Heiner Wittmann
Übersetzt mit Unterstützung von deepl.com

Rezension: I.-M. D’Aprile u.a. (Hg.), Ressourcen der Aufklärung, 50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert, Göttingen: Wallstein-Verlag 2025

I.-M. D’Aprile u.a. (Hg.), Ressourcen der Aufklärung2025 haben Iwan-Michelangelo D’Aprile, Annette Meyer und Vanessa de Senarclens einen bemerkenswerten Band mit „50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert“ unter dem Titel > Ressourcen der Aufklärung vorgelegt. Eine Pflichtlektüre für alle Studenten, die sich in irgendeiner Art und Weise mit dem Zeitalter der Aufklärung beschäftigen. Allen 50 Autoren ist es bestens gelungen, weit mehr als nur 50 Aspekte der Aufklärung von der Literatur, über die Philosophie, die Religion, der Buchdruckkunst unter allen ihren Aspekten, Gesellschaftskritik, Kunst, Musik, Dichtung, Ökologie, Menschenrechte, Naturschutz, Geschichte, Gesundheit und Naturwissenschaften aufzudecken.

Jeder Interessent wird sicherlich die Aufsätze zu seinem Fachgebiet lesen, aber das ganze Buch verführt ständig zum Weiterlesen und allen 50 Autorinnen und Autoren ist es gemeinsam gelungen, eine Kulturgeschichte der Aufklärung zu verfassen, mit der leicht gezeigt werden kann, dass das Herausgreifen einzelner Aspekte der Epoche ihr kaum gerecht werden kann. Es ist die gemeinsame Leistung aller 50 Beiträgerinnen und Beiträger das Zeitalter der Aufklärung bis in die hintersten Ecken sorgfältig ausgeleuchtet zu haben.

Einige Beiträge sollen hier das Prinzip dieses Bandes zeigen. Die Auswahl scheint auf den ersten Blick zufällig, bei näherem Hinsehen ist die Abfolge der Beiträge sehr wohl aufeinander abgestimmt und es ergibt sich selbstverständlich eine Auffächerung der Epoche der Aufklärung, ganz so wie eine einzelne Monographie gar nicht imstande wäre sie vorzutragen. Jeder Beitrag ist zwischen 5-10 Seiten lang und jeder fordert nicht nur indirekt zum Weiterlesen auf.

Den Auftakt macht Richard Bourke mit einer Überlegung über die Antwort auf Kants Frage Was ist Aufklärung? (1784), die zu einem „Prozess de intellektuellen Befreiung“ (S. 19) führt. Sein Artikel wird durch eine Reihe genauso grundlegender Beobachtungen ergänzt, wie z. B. im Beitrag von Gideon Stiening, der „Zureichende GRÜNDE“ anhand von Gottfried Wilhelm Leibnizens „Theodizee“ untersucht, eines der „meistgelesenen Bücher(…) des 18. Jahrhunderts.“ (S. 152) Es geht dabei um „das ‚Principium rationis sufficientis‘ als Fundament der Aufklärung“, wie es im Untertitel heißt. Das Zeitalter der Aufklärung wurde auch durch die Rezensenten befördert. Alexander Košenina „Die Epoche der KRITIKER“ hat diesen Aspekt mit wertvollen Anregungen zum Weiterforschen untersucht. Der Beitrag von Achim Vesper „SELBSTDENKEN vor Kant“ gehört auch dazu.

Stephanie Stockhorst erinnert an die Wertheimer Bibel von Johann-Lorenz Schmidt (1702-1749). Daniel Fulda hat sich mit Hans Fürstenberg und seinen Buchsammlungen beschäftigt. Barbara Vinken berichtet über die Marquise de Merreuil, die zur größten Libertine des Jahrhunderts wird: Choderlos de Laclos hat ihr in den „Liaisons dangereuses“ eine unvergleichliches Denkmal gesetzt. Sylke Kaufmann weist auf die Erfolge von Johnna Dorothea Sysang und ihre „Karriere als KÜNSTLERIN“ hin.

Dazu kommt dann Bezug zur Gegenwart, so wie auch andere Aufsätze das Erbe der Aufklärung aus heutiger Perspektive evaluieren. Vanessa de Senarclens nennt ihre spannenden Parallelen zwischen der Tagebüchern von Victor Klemperer (1933-1945) und der Aufklärung „Exil im 18. Jahrhundert“. Wolfgang Schmale vergleicht das Zeitalter der Aufklärung mit dem des Digitalzeitalters, das uns neue Ketten anlegt und uns mit „Künstlicher Intelligenz“ wahre Wunderdinge vorgaukeln will, viel Hype um nichts.

Vincenzo Ferrone Hat den Titel seines Beitrags geschickt formuliert: „Das MENSCHENRECHT der Aufklärung. Viel mehr als ein bloße Bilanz, eine Verpflichtung.“ „Naturschutz anno 1761“ präsentiert uns Jana Kittelmann. „ÖKOLOGISCHE AUFKLÄRUNG“ von Corinne Pelluchon gehört auch dazu.

Manche glauben ja, man finde alles im Internet, wie der so geschickte schnelle Griff zum Handy das immer wieder belegen soll. Weit gefehlt. Christian Filips hat einen Archivbesuch bei der gesungenen Aufklärung unternommen: „Denkende NOTEN“.

Anita Hosseini zeigt uns, was uns heute das Bild von Nicolas de Largillière (zugeschrieben) mit der Ankunft der persischen Gesandten in Versailles 1715 über das neue heranbrechende Zeitalter verraten kann. Jeder Buchleser wird den Artikel von Carlos Spoerhase „Ressource DRUCKBOGEN“ mit großer Aufmerksamkeit lesen. Sein Aufsatz gehört in die Reihe derjenigen, die den Prozess der Aufklärung mittels der Medien beleuchten. Dazu zählt auch die Literaturgeschichte: Nicholas Cronk stellt die Oxforder Voltaire-Edition (1968-2022) vor. „Voltaire als GEGENGIFT“ lautet die Überschrift von Antoine Liltis Beitrag zu „Julien Bendas Vorwort zum ‚Dictionnaire philosophique‘ von 1963. Albrecht Schönes Beitrag „Unser LEHRER Lichtenberg“ ist ein gelungener Ansporn, Lichtenberg endlich wieder zu lesen. Schöne Urteilt über des Mathematikers Lichtenbergs prinzipielle Gewohnheit, Dinge anzuzweifeln: „Es geht da auch gar nicht nur um reine Mathematik in dem Sinn, dass überhaupt alles einfach Behauptete und Geglaubte, Eingefahrene und Gängige, ungeprüft Fortgesetzte und gedankenlos Weitergewurschelte ins Säurebad des Zweifels gehört. “ (S. 207)

Viele Artikel demonstrieren die Aufklärung aus einem historischen Blickwinkel: „RADIKALITÄT in Handschriften“: „Die Marchand-Manusktipte und die klandestine Aufklärung“ von Margaret C.Jabok. Oder den Austausch zwischen den Mächtigen und den Literaten… wer war wohl mächtiger? Christiane Mervaud: „Asthetische REGIERUNGSBERATUNG“ „Der Friedrich II. gewidmete Artikel „Arts, Beaux-Arts“ in der ‚Questins sur l’Encyclopédie‘ von Voltaire.

Hans-Jürgen Lüsebrink zeigt mit seinem Beitrag „ENZYKLOPÄDISMUS, Wissenskritik“ die „Transkulturalität der Aufklärungsbewegung und ihre Aktualität“. Aus Leipzig stammte Christina Marina von Ziegler. Astrid Dröse nennt den Beitrag zu ihrem Wirken. „FRAUEN in Edelmetall. Weibliche Aufklärung als publizistisches Ereignis“. Marin Mulsow erinnert an David Graeber (das Video zur Erinnerung an unser Gespräch am 8. April 2016), der mit seinen Arbeiten eine „Entkolonisierung der Aufklärung“ versuchte. Messan Tossa „Aufklärung und KOLONIALISMUSKRITIK“ vertieft dieses Thema. Meike Wagner verrät in „GESELLIGKEIT in Stiefeln“, wieso Stiefel auf der Bühne ein No-Go sind. Neue Zeiten bringen auch neue Gesundheitsapparate hervor: so das „Trémoussoir“ des Abbé de Saint-Pierre, das Helga Meise beschreibt.

Wo Dunkelheit herrscht, braucht man Licht: „Lesen im Dunkeln“, wie technischer Fortschritt und Leverhalten voneinanderabhängen zeigt Chrstine Haug.

Das Buch schafft ein neues Genre im Rahmen der wissenschaftlichen Literatur, die sich thematisch, wie auch zeitlich in multiperspektivischer Weise einer Epoche nähert: „Epochenstudien“ ? Unsere Redaktion sucht noch ein Wort, eine treffende Bezeichnung, die dem das dem Glanz des Vorhabens des hier besprochenen Buches über die Aufklärung gerecht wird, so dass man mit diesem Genrebegriff z. B. eine ganz ähnlich aufgebaute Studiensammlung z. b. über die französische Revolution vorschlagen könnte. Die hier vor Studien haben den Vorteil, so viele verschieden Aspekte der Aufklärung zu nennen und zugleich ihre Evaluation im Verhältnis zu allen anderen Themen wie auch im Zeitablauf zur Analyse vorzuschlagen.Über allen Beiträgen schwebt aber der unablässige Ansporn, sich die Epoche der Aufklärung als einen großen Aufbruch zu begreifen, der sich schon in den Anfängen selbst evaluierte, korrigierte und ergänzte. Auf diese Weise decken alle Autoren zusammen, die Antriebskräfte dieser Epoche auf, die sie alle in ihren Studien so präzise dokumentiert haben. In diesem Sinne ist diese Studiensammlung manch dicker Monographie überlegen. Vielleicht hätte unsere Redaktion die Artikel anders angeordnet, dann wäre aber der Anreiz zum Entdecken neuer Themen verlorengegangen. Also bleibt es beim uneingeschränkten Lob für alle und alles in diesem Band.

Iwan-Michelangelo D’Aprile, Annette Meyer, Vanessa de Senarclens (Hg.),
> Ressourcen der Aufklärung
50 Probebohrungen ins 18. Jahrhundert
Wallstein-Verlag: Göttingen 2025
434 S., 58 z.T. farb. Abb., geb., Schutzumschlag, 14 x 22,2 cm
ISBN 978-3-8353-5882-9

Workshop zu Jean-Paul Sartres Cahiers pour une morale: 25.-27. September 2026

Die Sartre-Gesellschaft veranstaltet vom 25.-27.September einen Workshop in Jena. Diesmal geht es um Sartres Entwürfe für eine Moralphilosophie.

Ort: Friedrich-Schiller-Universität in Jena/Carl-Zeißstr. 3, SR 207
Leitung: apl. Prof. Dr. Jens Bonnemann

Für Jean-Paul Sartre ist der Mensch nichts als das, wozu er sich macht, denn die Existenz geht der Essenz voraus. Dies ist die Grundthese, die in sich wie ein roter Faden durch Sartres Hauptwerk Das Sein und das Nichts (1943) zieht. An dessen Ende kündigt er ein Buch über Moral an. An dieser Moral arbeitet Sartre vor allem in den Jahren 1947/48, sie bleibt jedoch unvollendet. Die aus dieser Zeit stammenden Notizhefte im Umfang von ca. 1000 Seiten werden erst posthum 1983 unter dem Titel Cahiers pour une morale und 2005 in deutscher Übersetzung als Entwürfe für eine Moralphilosophie veröffentlicht. …

Die Veranstaltung der Sartre-Gesellschaft, zu der es voraussichtlich einen zweiten Teil im März 2027 geben wird, richtet sich an alle Sartre-Interessierte (Studierende, Doktoranden, Habilitanden usw.). Vorkenntnisse sind sehr willkommen, jedoch nicht notwendig. Zur Vorbereitung wird die Lektüre der folgenden Seiten empfohlen: die Abschnitte: Jean-Paul Sartre, Entwürfe für eine Moralphilosophie, übers. v. H. Schöneberg und V. v. Wroblewsky, Hamburg 2005, zum Recht: S. 246-263, zur Gewalt: S. 301-379, zur Pflicht: S. 441-480, zur Intersubjektivität: S. 481-517, 632-748, zur Unterdrückung: 517-571, 975-1000 und schließlich zur moralischen Konversion: S. 819-884

Bitte weiterlesen: Ankündigung Workshop Cahiers Sep 26 *.pdf

Es wird um verbindliche Anmeldung zum Workshop bis 30. Juni 2026 an Jens Bonnemann, den Präsidenten der Sartre-Gesellschaft, jensbonnemann@gmx.de, gebeten.

Festival Rétif de la Bretonne 2026 in Sacy: Un entretien avec Christian Pythieu et la promenade littéraire

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