Eine Hauptseminarbeit „Die Kunst im Werk von Jean-Paul Sartre“

Bitte an ChatGPT: „Erstelle ein Bibliographie für eine Hauptseminararbeit im Fach Romanistik „Die Kunst im Werk von Jean-Paul Sartre“:

Antwort von ChtGPT (29.6.2026): „Bibliographie
Primärliteratur

L’Imaginaire. Paris: Gallimard, 1940.

Qu’est-ce que la littérature?. Paris: Gallimard, 1948.

La Nausée. Paris: Gallimard, 1938.

Les Mots. Paris: Gallimard, 1964.

L’Être et le Néant. Paris: Gallimard, 1943.

Situations, I. Paris: Gallimard, 1947.  Situations, IV, portraits  fehlt.

Baudelaire. Paris: Gallimard, 1947.

Saint Genet, comédien et martyr. Paris: Gallimard, 1952.

Kein Wort von Tintoretto.

Sekundärliteratur  Die Autoren?

Sartre. Cambridge: Cambridge University Press, 1988.

The Cambridge Companion to Sartre (Hrsg.). Cambridge: Cambridge University Press, 1992.

Sartre. Paris: Gallimard, 1985.

Jean-Paul Sartre: A Literary and Political Study. London: Hamish Hamilton, 1960.

Sartre’s Two Ethics. Chicago: Open Court, 1993.

Sartre and the Artist. London: Continuum, 2008.

Existentialism from Dostoevsky to Sartre (Hrsg.). New York: Meridian Books, 1975.

Literatur zur Kunstästhetik und Philosophie       Autoren? 

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Ästhetische Theorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1970.

Phänomenologie der Wahrnehmung. Paris: Gallimard, 1945.

L’œil et l’esprit. Paris: Gallimard, 1964.

Deutschsprachige Einführungen

Jean-Paul Sartre zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag.

Jean-Paul Sartre. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Hinweise

Für eine Hauptseminararbeit in der Romanistik empfiehlt es sich, mit den französischen Originalausgaben zu arbeiten und deutsche Übersetzungen nur ergänzend heranzuziehen. Besonders relevant für das Thema „Die Kunst im Werk von Jean-Paul Sartre“ sind:

L’Imaginaire (Theorie der Vorstellungskraft und des Bildes)
Qu’est-ce que la littérature? (Literatur- und Kunstverständnis)
Situations I (Essays zur Kunst und Literatur) Falsch: Der Untertitel lautet  „critiques littéraires“
Situations, IV, portraits  fehlt
Baudelaire und Saint Genet (Anwendung seiner Kunsttheorie auf Künstlerbiographien)

Diese Titel bilden eine solide Grundlage für eine wissenschaftliche Hauptseminararbeit im Umfang von etwa 20–30 Seiten.“

Vielleicht sollte der Student nochmal genauer nachsehen, bevor er sich an die Lektüre der hier vorgeschlagenen Werke begibt.

Lesebericht und Nachgefragt: Michael Wildenhain, »Eine kurze Geschichte der Künstlichen Intelligenz«

In einer neuen Reihe von Klett-Cotta ist 2024 der Band von Michael Wildenhain, »Eine kurze Geschichte der Künstlichen Intelligenz«, erschienen.

Inmitten des unendlichen Stroms so vieler Artikel überall in den Medien, die das jüngste Aufblühen der Künstlichen Intelligenz rühmen und wahre Wunderdinge voraussagen, ist es wohltuend, dass Michael Wildenhain uns zunächst mit Goethes Homunculus und Mary Shelleys Frankenstein an das Verhältnis von menschlicher zu künstlicher Intelligenz erinnert.

Wir wissen gar nicht genau bis in die letzten Details, wie das menschliche Gehirn funktioniert, aber die Anhänger der KI geben vor, es bald nachbauen zu können. Schon lassen sich Studierende ihre Seminar- und Abschlussarbeiten mit der sogenannten KI („ein > Oxymoron“ Éric Sadin) schreiben und generieren Bibliographien, die oft auf Halluzinationen der KI beruhen.

Der große Vorzug dieser knappen, präzisen und gelungenen Darstellung von Wildenhain ist die Erinnerung an die Geschichte der KI-Entwicklung im 20. Jahrhundert, zu der die ungeheure Zunahme der Rechenleistung, der Speicherkapazitäten und damit die immer größere Zahl von Texten gehören, mit denen ChatGPT trainiert werden kann. Man kann es aber drehen und wenden, wie man will, die „Entwicklung einer starken KI steht hingegen nach wie vor aus.“ (S. 25). Mit anderen Worten, ChatGPT kann viel, aber nur das, was man ihm in Form von Inhalten und Algorithmen gesagt hat, wie man es trainiert hat, der Rest wird dazu halluziniert. Emotionen sind für diese „KI“ ein Fremdwort.

Punktuelle Erfolge wie Siege im Schachspiel sind eher nach Hubert L. Dreyfus eine Frage der Rechenleistung und der Algorithmen denn des in der KI nicht vorhandenen Intellekts. (vgl. S. 37) Das gilt auch für „Situationen“ und ganz allgemein den Kontexten, die die „KI“ nicht erfassen kann. Sie versteht ihre Programmierung, ihre Algorithmen, soweit ihr gesagt wird, was das ist und wie sie sie einsetzen soll. (vgl. S. 49 f.)

Der Vergleich zwischen Gehirn und Maschine ist besonders erhellend: „Das Gehirn ist hingegen kein logisch-kausales System.“ (S. 55) Es ist schlicht nicht geeignet, in 0 und 1 übersetzt zu werden. Es gibt im Gehirn keinen Prozess, der einem Digitalcomputer äquivalent wäre. (vgl. S. 55) Ganz abgesehen davon, dass wir über das Zusammenspiel von Neuronen und Arealen im Gehirn noch gar nichts wissen. (vgl. S. 56)

Dieter Mersch,
Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik
Köln: Herbert von Halem Verlag, 2025
ISBN 978-3-86962-709-0

Ohne Zweifel haben alle von Wildenhain zitierten Wissenschaftler Bedeutendes geleistet und dennoch erscheint es so, als wenn heute die Begeisterung über die KI und ChatGPT deren Grenzen ganz einfach ignoriert und die Aspekte, die in der Forschung kritisch betrachtet wurden, verschwiegen werden. Heute stellt man die Frage, ob die neue KI mit ChatGPT auch gefährlich werden könne? Wildenhain unterstreicht in einer Antwort einen bisher wenig beachteten Aspekt, der sich aber logisch aus der bisher eher vorbehaltlosen Begeisterung über die Perspektiven von ChatGPT ergibt: “… eine KI (oder Software) wird zur Agentin einer sich umgreifenden Abstumpfung der Menschheit, die sich durch den zunehmenden Rückzug aus der Wirklichkeit und den realen sozialen Beziehungen mit großer Wahrscheinlichkeit ergeben wird.“ (S. 73)

ChatGPT habe kein Faktenwissen (vgl. S. 75): „Sie (i.e. die Maschine) lebt, anders als der Mensch, nicht in der Welt.“ (S. 78) Ihre Reproduktionen orientieren sich nur an Vorhandenem, sie kann nur mit mutmaßlichen Folgewörtern arbeiten, aber nicht mit einer Imagination: „Von der KI zu sprechen ist, alles in allem, unsinnig.“ (S. 77) So wie es mit 1 und 0 jongliert hat das „kaum etwas mit den Spielarten von Intention zu tun, die der Mensch im Verlauf der Evolution ausgebildet hat …“ (S. 78)

Wenn die Studentin sich für ein Stipendium bewirbt und ihrem Antrag eine Bibliographie beifügt, kann sie froh sein, wenn der Dozent stutzig wird und sie nach der Quelle der bibliographischen Angaben fragt. Ja, sie habe bei ChatGPT nachgefragt, gibt die Studentin zu. Und wenn der Dozent ihr dann den Begriff Halluzination erklärt, wird die Studentin verstanden haben, dass sie den Antrag nicht einzureichen braucht. Ebenso verhält es sich mit den vielen Texten, die Studierende sich von der KI erstellen lassen. Die Verwendung von Gemeinplätzen, falschen Einschätzungen, fehlende oder falsche Literaturangaben müssten ihre Dozierenden misstrauisch machen.

Es ist klar, dass ChatGPT von Imagination, Emotionen und Faktenwissen nichts sagen will und hingegen die große Menge seiner Informationen hervorhebt und dabei den Unterschied zwischen Informationen und Wissen geflissentlich übergeht. Aber in der Zusammenfassung erscheinen dann doch plötzlich „komplexe kreative Aufgaben, emotionale Intelligenz, soziale Interaktionen“. Dozierende werden merken, dass die Zusammenfassung etwas nennt, was in der Herleitung der Argumente nicht genannt wird. Also das wird bitte noch einmal überarbeitet:

Prompt: „Wieso ist ChatgGPT dem menschlichen Gehirn so weit überlegen?“

ChatGPT: „Die Überlegenheit von ChatGPT gegenüber dem menschlichen Gehirn ist ein komplexes Thema und kann nicht einfach auf eine einzige Erklärung reduziert werden. Hier sind einige Gründe, warum ChatGPT in bestimmten Bereichen als überlegen angesehen werden kann:

Speicher- und Verarbeitungskapazität: ChatGPT verfügt über eine enorme Speicher- und Verarbeitungskapazität, die es ihm ermöglicht, große Mengen an Informationen zu verarbeiten und auf sie zuzugreifen. Im Gegensatz dazu hat das menschliche Gehirn zwar eine beeindruckende Verarbeitungsgeschwindigkeit, aber es hat begrenztere Speicherfähigkeiten und kann nicht auf die riesigen Datenmengen zugreifen, die ChatGPT kann.

Zugriff auf Informationen: ChatGPT kann auf eine breite Palette von Informationen zugreifen, die im Internet verfügbar sind, sowie auf das Wissen, das ihm während seines Trainings vermittelt wurde. Das menschliche Gehirn hat zwar die Fähigkeit, neues Wissen zu erlernen und zu speichern, aber es ist begrenzt durch die Zeit und die begrenzten Erfahrungen eines einzelnen Menschen.

Konsistenz und Präzision: ChatGPT kann Aufgaben mit hoher Konsistenz und Präzision ausführen, ohne von Müdigkeit oder anderen menschlichen Einschränkungen beeinträchtigt zu werden. Menschen können dazu neigen, Fehler zu machen oder ungenau zu sein, insbesondere bei langwierigen oder wiederholten Aufgaben.
Anpassungsfähigkeit und Lernfähigkeit: ChatGPT kann kontinuierlich aus neuen Daten und Erfahrungen lernen und seine Leistung verbessern, während das menschliche Gehirn möglicherweise nicht so schnell lernen kann oder möglicherweise in bestimmten Bereichen weniger anpassungsfähig ist.

Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass das menschliche Gehirn weiterhin in vielen Bereichen überlegen ist, insbesondere in Bezug auf komplexe kreative Aufgaben, emotionale Intelligenz, soziale Interaktionen und viele andere Aspekte des menschlichen Lebens. ChatGPT und ähnliche KI-Systeme sind leistungsfähige Werkzeuge, aber sie sind nicht in der Lage, die Fülle der Fähigkeiten und Eigenschaften des menschlichen Gehirns zu replizieren.“

Mit diesem Band erläutert Michael Wildenhain die historische Dimension um die KI, die in der aktuellen Diskussion kaum zur Sprache kommt. Auf diese Weise eröffnet er auch die Perspektive auf den Unterschied zwischen einer „schwachen KI“ und einer „starken KI“, deren jeweilige Vertreter sehr wohl um ihre Defizite wissen. Trotz aller Aufbruchstimmung gibt es immer noch zu viele ungelöste Probleme. Wieso bedienen sich die Hersteller dieser KI-Programme so ungestört an Inhalten aller Art? Natürlich wissen die Autorinnen und Autoren aller Webinhalte, dass, was einmal dem Web anvertraut wurde, als verloren gilt und zudem versuchen die Anbieter von KI mit immer neuen Bezahlmodellen aus ihren Angeboten Profit zu erhalten. Kein Wunder, dass jede Einmischung, die an den Leistungen der „KI“ zweifelt, nicht willkommen ist. Aber es bleibt dabei, nicht die Halluzinationen und Fehler der KI sind ihr größtes Manko, es ist die von Wildenhain angeführte „Abstumpfung der Menschheit, die sich durch den zunehmenden Rückzug aus der Wirklichkeit“ (S. 73) äußert, die das eigentliche Problem darstellt.

Michael Wildenhain
Eine kurze Geschichte der Künstlichen Intelligenz
Stuttgart: Cotta 2024
ISBN: 978-3-7681-9824-0

Michel Rybalka (1933-2026)

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Rezension: Rainer Mühlhoff, Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

Es kann doch gar nicht ausbleiben, dass das permanente Befragen von ChatTGPT zu allen Lebenslagen, das blinde Vertrauen, den Ergebnissen und Meinungen der KI meist völlig ungeprüft zu folgen, Konsequenzen für das soziale und vor allem politische Zusammenleben haben wird. Mühlhoff überrascht nicht, wenn er die Tendenzen der Alt-Right-Bewegungen mit den Heilsversprechen der KI in Verbindung bringt und daraus die Tendenz und die Gefahr von faschistoiden Entwicklungen ableitet. Die KI soll ja wohl intelligent sein und ihre Halluzinationen werden als Kinderkrankheiten abgetan, die nächste Version werde viel besser werden, bekommen die Kritiker zu hören. Die Anhänger der KI gewöhnen sich daran oder übersehen geflissentlich, dass die KI ihre Ergebnisse statistisch ermittelt und überhaupt nicht wissenschaftlich begründen kann, geschweige denn etwas mit dem Begriff „Wahrheit“ anfangen kann. Man sagt dann, sie lerne dazu und meint, sie vergrößere den Umfang ihrer Trainingsdaten.

Das von vielen so grenzenlos gewährte Vertrauen in die Resultate der sogenannten künstlichen Intelligenz hat Rainer Mühlhoff in einem Band der Reclam-Reihe „Was bedeutet das alles?“ unter dem Titel Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus untersucht. Seine These : „…dass das faschistoide Potential von Alt-Right-Politik aus ihrer Synergie mit elitistischen Tech-Ieologien erwächst.“ (S. 11) „Alt-Right“ (Alternative Right) steht für eine politische Bewegung, die ungefähr ab 2010 in den USA entstand. Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit die Kritik am Multikulturalismus sind ihre Kennzeichen.

Mühlhoff erinnert an Elon Musk und seine Behörde „Department of Governement Efficiency“ DODGE und den Einsatz der KI, um die Aktivitäten der Bundesbehörden zu evaluieren. Jegliche  Hinweise wie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion mussten getilgt werden. Das Pentagon löschte Zehntausende Fotos, die Frauen oder People of Colour im Militärdienst zeigten. Dieser neue Faschismus entspreche nicht exakt dem von Benito Mussolini, aber die Kräfte, die ihn antreiben, sollten früh erkannt werden. (Vgl. S. 9 f.) Mühlhoff fasst die Kennzeichen dieser Gefahren präzise zusammen: „1. Antidemokratisches Wirken“ besonders in der „zynischen und nihilistischen Variante, die Trump vertritt“, „2. Gewaltbereitschaft“ auch mit Worten und „breite Massen mit zynische[n] Narrativen zu täuschen, Ressentiments anzustacheln“, „3. Technologie als Machtinstrument“ gepaart mit einem „Solutionismus“ der sich im Glauben an die Überlegenheit von Technologie [zeigt], um gesellschaftliche Probleme zu lösen“. (S. 14, S. auch S. 114 ff. und bes. S. 118 ff)

Es folgt im ersten Kapitel eine sehr lesenswerte und präzise Einführung in die Geschichte der Künstlichen Intelligenz, die man kennen sollte, um den Stand und die Perspektiven der heutigen KI einschätzen zu können. In diesem Zusammenhang unterscheidet Mühlhoff die auf festen Regeln beruhende symbolische und subsymbolische KI oder Konnektionismus, die mit künstlichen neuronalen Netzen arbeitet, denen es gelingt Muster aufzufinden und so Aufgaben zu lösen. Wirklich Neues kann auch diese KI nicht herstellen, in einenm gewisse Sinne,arbeitet auch diese KI mit „Wortnachbarwahrscheinlichkeiten„. Die Macht der KI, so Mühlhoff“ ruht auf den beeindruckenden Datenmengen, die sie kennt… und was ruht in den Bibliotheken und Archiven? > Sartre und Dürer.

Nicht nur soziale Netzwerke auch die KI jeder Art, die sich natürlich auch aus den Daten der sozialen Netzwerke speist, kann ein perfektes Überwachungsinstrument werden, wie die Nazis es schon mit IBM-Lochkarten aufgebaut haben. Lehnen politische Gruppierungen staatliche Regelungen für die KI ab, sollte man hellhörig werden und auf autoritäre oder gar faschistische Anzeichen achten.

Mühlhoff widmet das 2. Kapitel der „Präemption“, das ist die Vorwegnahme und beschreibt , wie in einem Arbeitsamt Einzelfallentscheidungen nach bewährter Art und globale Entscheidungen mit der KI getroffen, wo bei falsche Entscheidungen in Kauf genommen werden. Mit anderen Worten, es geht um die „pobalistische(…) Wissenskultur (S. 48 ff.).

Der „KI-Hype im öffentlichen Diskurs“ (S. 50 ff) führt einige Belege an, mit denen das unerschütterliche Vertrauen in die Zukunft der KI belegt werden soll: „Artificial General Intelligence“ AGI heißt das Versprechen, mit dem die Investitionen in die KI aufgestockt werden sollen.

Das 4. Kapitel lässt die „Ideologien hinter dem KI-Hype“ Revue passieren. der „Transhumanismus“, die Verbesserbarkeit des Menschen durch technische Lösungen ist eine von ihnen, wozu auch der Extropinarismus und der Singularitarianismus gehören. Wenn es um Erbkrankheiten geht wird die Eugenik 2.0 genannt, die aber ihre zweifelhaften Ursprünge nicht verbergen kann. Es gibt auch den „Effektiven Altruismus“. der die Einführung von „erkenntnistheoretischen Prinzipien der Rationalisten auf moralisches handeln beschreibt“ (S. 84)

H. Wittmann, Lesebericht:

Antonio Scurati
> Faschismus und Populismus
Stuttgart: Klett-Cotta 2024

Gefahren gehen von drei weiteren Bewegungen aus wie der „Cyberliberatirismus“, „Troll– und Manisphère-Subkulturen“, in denen u.a. rassistische Ressentiments vermittelt werden und auch Dark Enlightenment, das der Autor „als faschistoide Radikalisierung technopolitischer Ideologien“ (S. 95 f.) deutet.

Im letzten Kapitel wiederholt Mühlhoff seine These: „Unsere rechtsstaatlichen Demokratien sind speziell durch das Zusammenspiel vom Tech-Ideologien und ultrarechten Kräften in Gefahr.“ (S. 115) Mühlhoffs Vorwurf wiegt schwer und ist dennoch passend. Die neue und alternative Rechte von der AfD bis Trump halten keine Position innerhalb des demokratischen politischen Spektrums, das von „links“ nach „rechts“ verläuft“ (S. 141) Der Autor wirft ihnen vor, auf einer völlig anderen Ebene zu operieren… schon aus diesem Grund ist eine Zusammenarbeit mit ihnen kaum möglich, weil sie nicht nur moralisch auch politisch zum Scheitern verurteilt sei. Den Vorschlag Mühlhoffs, über KI-Technologie und die Digitalisierung anders zu sprechen, also nicht verbunden mit dem ständigen Heilsversprechen, sollte man erst nehmen. Es geht dabei um die Versprechungen der KI, die auf „Eugenik, Rassismus, Hierarchisierungen von Menschen“ beruhen. Die so gelobten Zukunftsaussichten der KI verlangten „Deregulierung und großzügige Finanzierung“ (S. 145). Die heutigen Auswirkungen der KI fasst der Autor so zusammen: „soziale Ungleichheit, Manipulierbarkeit, Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen, Erosion der Privatsphäre, Erosion der demokratischen Öffentlichkeiten, massive Akkumulation von Macht und Kapital bei wenigen Akteuren“ (S. 146) und er setzt sich für eine Verstärkung der staatlichen Regulierung der KI ein.

> www.rainermuehlhoff.de

Rainer Mühlhoff,
Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus
Ditzingen: Reclam 9/2025

Vendredi 19 juin, samedi 20 juin 2026 : Colloque du Groupe d’Études sartriennnes en Sorbonne

Le prochain colloque du Groupe d’études sartriennes GES, qui se tiendra les 19 et 20 juin 2026 à la Sorbonne, dans l’amphithéâtre Bachelard. Le colloque portera sur les Réflexions sur la question juive et sur le thème „Matière, matérialismes et matérialité“.

Pour télécharger: GES_PROGRAMME-26L’affiche du colloque 2026

GES_PROGRAMME-26
L’entrée dans les locaux de la Sorbonne étant soumise à des contrôles de sécurité, il est impératif de vous inscrire avant le 16 juin 16h, en cliquant sur le lien ci-dessous, si vous ne détenez aucune carte professionnelle ou carte d’étudiant qui vous garantit l’accès au site :

https://evento.univ-paris1.fr/survey/colloque-sartre-amphitheatre-bachelard-hcy21pax

Colloque du Groupe d'Études sartriennnes en Sorbonne - vendredi 19 juin, samedi 20 juin 2026

Auf unserem Frankreich-Blog: Lesebericht: Jean-Paul Sartre, Überlegungen zur Judenfrage

Rezension: Florian Birnmeyer, Im Dickicht lebt es sich leichter. Gedichte

Florian Birnmeyer hat unter dem Titel Im Dickicht lebt es sich leichter einen Band mit Gedichten verfasst, die sich an den Sommer- und Herbsttagen orientieren. Der erste Teil Du und ich erwähnt die Liebe, Vergänglichkeit und Trennung. Im zweiten Teil werden Papyrusblätter und der Herbstanfang genannt. Teil 3 spielt Im Dickicht unter Regenschauer und dennoch führen die Gedichte in diesem Kapitel nach New York, Berlin, München und Italien oder erinnern an die Reisen in diese Städte. Un/rzeit (Spätsommer) heißt der 4. Teil, mit Gedichten, die Fragen stellen, nach der Liebe, dem Ablauf der Zeit, nach der Angst und endet mit einem abgesang auf orpheus. Im fünften Teil klingen Herbstnachmittage in Paris an, zu denen Franziska Beyer-Lallauret die französische Übersetzung beigesteuert hat.

Der Titel Im Dickicht lebt es sich leichter hat etwas Beschwingtes, dass das beschreibt, was sich beim Lesen dieser Gedichte einstellt. Anderswort ist direkt an einem geliebten Menschen gerichtet und deutet eine verfehlte Liebe an. Enttäuschung, ja. Aber „Anderswo“ (S. 9). Geschickt werden in den folgenden Gedichten bestimmte Momente der Liebe angedeutet, aus denen sich ein Gefühl der Sehnsucht ergibt: „Ich wär doch/so gern du,/du gern ich.“ (S. 19) Und wieder geht es um Trennung „Ich verlor den Schlüssel/für dein Alabasterherz“( S. 23) und um die Definition der Liebe „große dinge/gegen kleine tauschen“ (S. 29) und dann das Gedicht „Im Dickicht“, mit dem rätselhaften Wort „Begriffsberg“: „Wir wollten/Ungesagtes/aussprechen“ (S. 43) zurückblieben aber zwei „Wie zwei Tiere/versteinert/im Schweinwerferlicht“ (S. 43), die doch nicht miteinander reden. Und in München gab es die Dame, „…die goethe/ rezitierte im lyrikkurs…“ (S. 47)

Jeder Dichter, der über sein Dichten nachdenkt, schreibt auch eine Poetik, in der er sein Dichten erläutert, so auch hier in Dichterdasein: „Ein Schilfrohr ist auch/ nur Papier, geduldig//daraus entspringt der /Esprit, doch den Geist,//den ich rief, wird ich//nun nicht mehr losr, „(S. 49)

Man spürt einige Erinnerungen, an Begegnungen, Reisen und Beobachtungen, die den Dichter zu diesen Gedichten inspiriert haben, so wie er in Paris an der Gare d’Austerlitz ankommt. Verlässt man Paris, weiß man dass man wiederkommen wird, in die Ville de lumières. Die Seine, der Tour Eiffel, die berühmte Pont des Arts, die die Quais mit den Bouquinisten miteinander verbindet, Montmartre und die Place du Tertre und die Place du Câtelet sind Orte, mit denen auch jeder Leser bestimmte Erinnerungen verbindet. Dazu kommt noch die Freiheit: „Dich will ich./Du warst es, die mich/ bewegt hat…“ (S. 82).

Die Gedichte in diesem Band, manche erschließen sich nicht sofort, aber alle regen zum Wiederlesen und Entdecken an. Sie enthalten ganz persönliche Erinnerungen, Eindrücke und Beobachtungen: „le monde s’éteint un instant/devant le mystère.“ (S. 87).

Mit einem Nachwort von Prof. PhDr. Uli Rothfuss: Mit Gedichten sprachlich in die Zukunft gehen.“

Florian Birnmeyer
Im Dickicht lebt es sich leichter
Gedichte
mit Übersetzungen von Franziska Beyer-Lallauret
und einem Nachwort von Uli Rothfuss
Visbek: Geest-Verlag 2026
ISBN 978-3-69064-562-1
104 S.

Nachgefragt: Vergangene Zukunft von Reinhart Koselleck wurde von Azelarabe Lahkim Bennani übersetzt

french german 

Rezension: Susan Richter Vom Besteck des Zeitgenossen. Gegenwartsdiagnose im 18. Jahrhundert

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Susan Richter
> Vom Besteck des Zeitgenossen.
Gegenwartsdiagnose im 18. Jahrhundert
ISBN: 978-3-593-51391-1
Frankfurt/M., New York: Campus 2025

Rezension: Dieter Mersch, Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik

In Zeiten, wo alle Welt wie besessen das neue Zeitalter der sogenannten Künstlichen Intelligenz lobt, das im November 2022 mit dem Erscheinen von ChatGPT begonnen hat, legt Dieter Mersch mit dem Band Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik einen wichtigen Beitrag vor, der wohlbegründet die Grenzen der so gelobten KI aufzeigt.

Wahre Wunderdinge werden den KI-Anwendungen jeder Art zugesprochen, schon gibt es KI-generierte Inhalte, die den Grundsatz, ein Text hat einen Autor, sprengen. Immer neue KI-Bild- und Videogeneratoren tauchen auf, und sogar im Bereich der Kunst wird der KI die Herstellung von Kunstwerken zugetraut… oder sie wird uns als Betrachter zugemutet.

Die Begeisterung der KI-Adepten kennt kaum noch Grenzen. Man muss schon zugeben, dass manche Ergebnisse der KI verblüffend sind. Schaut man genauer hin, merkt man bald, dass uns dort mehr Schein als Sein präsentiert wird: > ChatGPT: Résume L’étranger d’Albert Camus.

Dieter Mersch hat KI-Kunst aus dem Computer in Galerien und Ausstellungen in renommierten Museen wie dem MOMA oder der Guggenheim-Foundation beobachtet und bewertet. Natürlich fragt man sich, ist das Kunst oder kann das Kunst sein, wenn als Schöpfer eine KI dahintersteht… auch wenn ein Mensch viele Prompts(1) eingeben muss, um die Maschine dazuzubringen, Kunst herzustellen?

Es sind Wortnachbarwahrscheinlichkeiten, die die KI statistisch ausrechnet und sich dabei eines sehr großen Wortkorpus bedient, um Strukturen auswerten, übernehmen und ausgeben zu können. Eigene Intelligenz wird es nicht geben, zumal wenn die Trennung von einem Wortkorpus dazu führt, dass das System seine Grundlagen verliert.

In der Untersuchung von Dieter Mersch geht es um die Frage, ob KI Kunst kann? Richtigerweise hängt die Frage auch vom Kunstbegriff ab, der hinter einer solchen Frage steht. Da Mersch diese Frage erst im dritten Teil seines Bandes en détail klärt, gibt er zuerst der KI alle Chancen, ihr Können zu beweisen, zählt ihre Ansprüche auf, erläutert ihre Versprechen und prüft die Ergebnisse. Das Ergebnis könnte die Adepten der KI desillusionieren: Die KI ist sehr schnell, liefert zu bestimmten Prompts erstaunliche Ergebnisse, kann möglicherweise Arbeitsgänge verkürzen, kann nur mit Modellen mathematisch (mehr oder weniger) exakt rechnen, ist aber nicht intelligent. Was mathematische nicht modellierbar ist, bleibt außer ihrer Reichweite oder führt sie bestenfalls dazu, zu halluzinieren: > Kann man ChatGPT für wissenschaftliches Arbeiten nutzen? – www.france-blog.info, 22. April 2023.

Dieter Mersch erläutert in seinem Band in den ersten fünf Abschnitten auf systematische Weise die Grundlagen der KI, wie sie konzipiert wurde, wie sie arbeitet und wie ihre Ergebnisse beurteilt werden können. Im zweiten Kapitel „Formalisierung von Kreativität. Zur Mathematisierung des Ästhetischen“ geht es um die für die KI notwendigen Modellbildungen, ihre Grenzen und ihre „Fehlschlüsse“ (S. 46 ff.): Wenn Computer so tun, als würden sie etwas erkennen können „handelt es sich durchweg um Messungen und Geometrien…“ „Der Mangel an Bedeutung wird demgegenüber durch Big Data und Wahrscheinlichkeitsfunktionen kompensiert, die aus wenigen Parametern komplexe Schlussfolgerungen ziehen, die >so aussehen<, als ergäben sie Sinn.“ (S. 49) Mit anderen Worten, kann ein Computer jemals mehr machen, als das was man ihm an Daten, Algorithmen und Parametern gibt?

Beim Stand der Dinge und nach der Lektüre des Bandes von Dieter Mersch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Erfolg der KI daher rührt, dass es nur die Begeisterung und die Überzeugungen ihrer Adepten sind, die den Erfolg der KI sichert, denn „Ihr (i.e. Computerisierung, H.W.) ontologisches Prinzip ist das >Als ob<, der Schein.“ (S. 50) Damit ist nichts anderes gemeint, als als das ständige Vorgaukeln der KI-Systeme, es handle sich um ein intelligente Maschinen. Ihre Adepten verlernen, zwischen Realität und Virtualität zu unterscheiden: Vgl. S. 50. Das ist keine umständliche Beschreibung, sondern eine präzise Zusammenfassung: „… Modelle als mögliche Welten, existieren nicht; sie bilden Abstrakte in den Grenzen mathematischer Widerspruchsfreiheit. Was sie bezwecken, sind Simulakra im Kontext solcher Beschränkungen.“ (S. 55) KI-Modelle schießen über das Ziel hinaus, sie halluzinieren: „2.5. Simulativität, Hypermimesis und andere überschießende Phantasmen.“ (S. 56 ff)

Im 3. Kapitel geht es um die „>Kritik algorithmischer Rationalität<: Eine synoptische Skizze“. Merschs Ansatz ist völlig berechtigt und weist auf ein grundlegendes Problem hin: Er fragt, soll man, „… weil die eigentliche Gefahr Künstlicher Intelligenzen in ihrer Überschätzung und der Bereitwilligkeit liegt, das, was uns ausmacht, die Humanität des Humanismus, an sie abzutreten?“ (S. 68) Die Modellbildung der KI stößt an Grenzen: denn es gibt sehr wohl eine „Nicht-Formalisierbrkeit im Formalisierbaren“ (S. 77) Die Verfechter der KI unterstreichen oft die Fähigkeit der KI zu lernen… ohne zu beachten, dass dieses Lernen sich immer auf das „mathematisch Darstellbare beschränkt“. (S. 81)

Im 4. Kapitel  „Kunst aus dem Computer: Zur Vorgeschichte maschineller Ästhetiken“ gibt Mersch der KI noch eine Chance, stößt aber vor allem auf den „Zufall“, der ästhetisch gesehen, nicht recht weiterführt: Mersch erwähnt die „Einheit von Kunst und Leben“, die dem Avantgardismus zugeschrieben wurde: „In ihr fand die Etablierung des Zufalls-Prinzips ihre durchschlagendste Manifestation: Weder meint sie die Ästhetisierung des Lebens noch die Überführung von Kunst in den Alltag, sondern eine Indifferenz von Ethik und Ästhetik, wie sie nur die >Askese< des Zufalls, die Konzentration auf das, was gerade jeweils geschieht und anerkannt werden muss, zu realisieren vermag.“ (S. 125 f.) Intuition, Imagination, Einfälle, Intelligenz? Fehlanzeige.

Das 5. Kapitel erläutert die „Entwicklung und Arbeitsweise Künstlicher-Intelligenz-Systeme“: Große Datenmengen, Muster erkennen, auslesen, neue Zusammensetzungen erzeugen, (vgl. S. 132) und es gibt Grenzen: „Die Sprache der Zeichen ist voller Mehrdeutigkeiten wie im gleichen Maße der Sinn von Zerlegungen ohne tiefgreifende Präsumtionen kaum verständlich zu machen ist.“ (S. 163) Die Large Langage Models kommen nicht umhin, „die historische Variabilität des Linguistischen zu missachten“ (S. 166). Man könnte natürlich die Datenmengen noch vergrößern und immer mehr versuchen, das Prinzip Qualität durch Quantität zu ersetzen. Das Urteil von Mersch: „Wir scheinen zu einer simplifizierten, für Maschinen identifizierbaren Wirklichkeitserfahrung zurückzukehren, die die gesamte Hermeneutik und Rationalitätskritik des 20. Jahrhunderts widerruft.“ (S. 175) Kunst via die KI ist „nichts anderes als ein Mustererzeugungsprogramm.“ (S. 180) Sein Urteil am Ende dieses Kapitels: „Die Unterstellung eigenständiger Kreativität ist ein Effekt ihrer wachsenden Intransparenz, nicht eines verbesserten Vermögens. Maschinen verfügen weder über Imaginationen noch über die Lebendigkeit figuraler Prozesse, wie sie die Rhetorik für das Sprechen nachgewiesen hat…“ (S. 183)

Man gibt vor, die KI könne lernen. Im 6. Kapitel geht es um „Kunstmachen mittels Deep Learning“ und Beispiele KI-generierter „Kunst“. Sie bleibe aber „…als Produktion einzig auf formale mathematische Prozeduren bezogen, sodass die >Kunst< aus dem Computer von vornherein dem Künstlerischen und seinen Praktiken entsagt hat. (S. 205) Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Kunst aus der KI den „schöpferischen Sprung“ mit Kontingenz verwechselt: vgl. S. 227)

Im 7. Kapitel „Ästhetische Kritik der Artificial Art“ stellt Mersch seinen Kunstbegriff der den Versprechungen der KI gegenüber, was ihn dazu veranlasst, uns so deutlich vor der KI und ihren überzogenen Ansprüchen zu warnen.

Resümiert man seine bisherigen Analysen zur und Erklärungen der Funktionsweise der KI, so wird jetzt schon deutlich, dass die Modellbildung der KI nichts mit der Kreativität eines Künstlers zu tun hat… deshalb gibt es ja auch keinen Autor der Werke, die die KI hervorbringt. „Autonome Entscheidungen“ (S. 294) sind der KI sowieso fremd. Alles was die Kunst oder einen Kunstbegriff ausmacht, ist mit der KI nicht darstellbar: „Jede creatio ist vielmehr situiert, wie auch die Kunst einer Zeit und ihren speziellen Konditionen angehört, auf die sie antwortet, indem sie sich auf sie zurückbeugt und sie verändert – wohingegen eine >Kunst< aus künstlichen Intelligenzen auf nichts antwortet, sich nirgends hinwendet, sondern kontextlos technische Potenziale ausschöpft.“ (S. 364)(2) Wo kein Autor ist, funktioniert die Rezeption auch nicht: S. 366 ff. Die Kunst via KI vermittelt den Eindruck, sie würde per Assemblage funktionieren, aber sie kann das Potenzial der Assemblage(3) gar nicht ausschöpfen. Eine „epistemische Praxis“ wie eine „Reduplizierung „durch eine >Kunst über Kunst<“ (S. 371) ist ihr fremd. Die KI kann allenfalls kompilieren. (vgl. S. 373) Die KI erzeuge eine „ästhetische Scheinhaftigkeit“ (S.373) Die Macht der Maschinen wolle eine „automatische Herrschaft über das Bildliche“ errichten. „Dagegen ist Kunst niemals positiv, sondern negativ; sie hält auf Distanz, überlässt uns das Urteilen, selbst dort, wo sie die Affekte berührt und unsere Sinne provoziert, während Künstliche Intelligenz bestenfalls betört…“ (S. 373)

Das Gesamturteil von Dieter Mersch lautet: „Die Gefahr künstlicher Intelligenzen (…) liegt jedoch weniger darin, dass sie, wie Nick Bostrom argumentiert hat, imstande seien, in der Verfolgung ihrer eigenen Ziel uns zu vernichten-, viel realistischer ist die Gefahr, dass wir uns selbst mit ihnen vernichten, indem sie jede Unterscheidbarkeit von Wahrheit und Falschheit, das Zeugnis wie auch die Basis von Glaubwürdigkeit und vertrauen und damit das Soziale als Ort unserer einzig möglichen Existenz nachhaltig untergraben.“( S. 374 f.)

Im Vergleich zu Éric Sadin, der sich vehement und ganz grundsätzlich gegen alle Aspekte der Systeme, die man uns als KI vorsetzen will, wendet, untersucht Dieter Mersch zuerst die Prinzipien der KI und erläutert ihre prinzipiellen Funktionsweisen aber auch die Grenzen, die die Arbeit mit Modellen mit sich bringt. Sein Buch enthält auch eine Definition der Kunst, die er den Ansprüchen der KI gegenüberstellt und so die überzogenen Ansprüche der sog. KI aufzeigt. Ihr Erfolg rührt weniger von ihren Fähigkeiten her, sondern von dem Glauben und dem Vertrauen, das in sie gesetzt wird.(4)

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1. Jens Olaf Koch, Prompting kurz & gut. Large Language Models verstehen, ChatGPT & Co. professionell nutzen, Heidelberg: O’Reilly 2025.


2. H. Wittmann, L’irréversible n’est qu’un aspect de l’art, in: Recherches en Esthétique > L’irréversible N° 31, 2026, S. 25-33


3. H. Wittmann, Rezension: Arts du montage et de l’assemblage, in: www.romanistik.infi – hier auf dem Blog.


4. Michael Wildenhain, Eine kurze Geschichte der Künstlichen Intelligenz, Stuttgar: Klett-Cotta, 2/2024.

Dieter Mersch,
Kann KI Kunst? Eine ästhetische Kritik
Köln: Herbert von Halem Verlag, 2025
ISBN 978-3-86962-709-0

Bibliographie:

Lesebericht und Nachgefragt: Kolja Reichert, »Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst« Stuttgart: Klett-Cotta 3/2024. – Aufgezeichnet von Heiner Wittmann

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